Bild: Das Papaya Café in der Fußgängerzone von Santa Maria bei Sonnenschein. Während eines heftigen Unwetters 2024 versuchten hier zwei Nachtwächter, Sonnenschirme und Möbel zu sichern. Unser Autor beobachtete das Geschehen von seinem Balkon gegenüber. Foto: Martin Busche / Sal Daily.
Eine Nacht in Santa Maria. Ein Unwetter, zwei unerschrockene Nachtwächter und die Erkenntnis, dass Regen nicht für alle Menschen dasselbe bedeutet.
Am Abend war noch alles wie immer. Santa Maria schwitzt, die Menschen sitzen draußen, feiern, quatschen. Der Himmel ist strahlend blau, ein kühles Lüftchen weht. Sehr willkommen, sehr angenehm. Schön ist es an jenem Abend.
Ich gehe nichtsahnend ins Bett.
Was ich damals noch nicht wusste: Ein paar Stunden später geht die Welt unter.
Dachte ich zumindest, als ich leicht bekleidet auf unserem Balkon stand und fassungslos auf das Restaurant gegenüber schaute. Am Papaya versuchten zwei Nachtwächter mit aller Kraft, die Möbel zu retten.
Es regnete in Strömen. Ach was, es schüttete! So sehr, dass ich Mühe hatte, den Kampf der Nachtwächter überhaupt zu verfolgen. Ich stand hinter einer Gardine aus Wasser. Wie hinter einem Wasserfall.
Es hörte und hörte nicht auf.
Dazu der Wind. Er wehte nicht, er peitschte. Alles, was nicht einigermaßen fest war, flog davon. Und mittendrin die Nachtwächter.
Sie kämpften einen heroischen Kampf. Jeder andere wäre wohl ins Trockene geflüchtet oder gleich nach Hause gegangen. Die Securitys vom Papaya nicht.
Zu zweit versuchten sie, die Sonnenschirme zu retten. Die waren über Nacht aufgespannt geblieben und verwandelten sich jetzt in gefährliche Geschosse. Es klappte nicht wirklich. Aber irgendwie bekamen die beiden die Schirme wenigstens zu und schafften es, sie auf den Boden zu legen.
Ab und an kämpfte sich ein Nachtschwärmer durch die Fußgängerzone, vermutlich auf dem Weg zurück ins Hotel. Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht.
Deshalb bin ich auch nicht runtergegangen, um den Männern zu helfen. Ich hatte Angst da draußen.
Auf meinem Balkon nicht. Unser Haus ist stabil, das Dach auch. Das wusste ich. Oder hatte es zumindest vermutet. Und so war es dann auch.
Gut eine Stunde stand ich dort, geschützt unter dem darüberliegenden Balkon meines Nachbarn. Trocken und sicher.
Ich dachte an meine Freunde in der Rua Salina. Ich habe mein Herz an sie verloren. Kapverdianer, die noch die Kolonialzeit miterlebt hatten. Ihr ganzer Stolz: ein kleines, winziges Häuschen mit Kintal, einem ummauerten Hinterhof.
Ich war mir sicher, dass sie in dieser Nacht ebenfalls wach waren.
Ihre Häuser sind für solche Wassermassen nicht gemacht. Durch undichte Dächer kann Regen eindringen. Und dann ist da noch der Kintal. Er liegt auf derselben Höhe wie die Wohnräume. Sammelt sich dort das Wasser, droht es auch von dieser Seite ins Haus zu laufen.
Meine Freunde kennen das Problem. Sie wissen, was dann zu tun ist.
Statt Schlaf zu bekommen, ist Nachtschicht angesagt: Wasser aufwischen, den Kintal leer schieben, das Wasser auf die Straße befördern. Und das mitten im Regen.
Denn das Wasser muss raus, bevor es ins Haus läuft. Und stehen bleiben sollte es auch nicht. Stehendes Wasser kann zur Brutstätte für Mücken werden. Davon haben sie ohnehin schon genug.
Wann der Regen aufhörte, weiß ich nicht mehr.
Ich ging ins Bett, als ich mich sattgesehen hatte.
Um eine Erfahrung reicher.
Hintergrund: Warum Starkregen auf Sal zum Problem werden kann
Wenn der Regen kommt, kann es schnell zu viel werden
Auf Sal ist Regen selten. Die Insel gehört zu den trockensten Regionen der Kapverden. Die wenigen Niederschläge fallen überwiegend in der Regenzeit, die sich vor allem auf die Monate August bis Oktober konzentriert. Dabei kann es lange trocken bleiben, bevor innerhalb kurzer Zeit erhebliche Regenmengen niedergehen.
Warum kann das gefährlich werden?
Bei heftigem Regen kann sich Wasser auf Straßen, Plätzen und in Innenhöfen sammeln. Besonders problematisch wird es dort, wo das Wasser nicht schnell genug abfließen kann.
Für Bewohner ebenerdiger Häuser kann das zur unmittelbaren Gefahr werden. Wasser kann über Türschwellen in Wohnräume gelangen. Sind Dächer undicht, kommt der Regen möglicherweise auch von oben.
Regen ist willkommen – aber nicht um jeden Preis
Die Kapverden leiden unter chronischem Wassermangel. Niederschläge sind deshalb grundsätzlich wichtig. Doch ein heftiger Wolkenbruch löst die Wasserprobleme nicht automatisch. Entscheidend ist auch, wie viel Wasser im Boden versickern oder gespeichert werden kann.
Hinzu kommt eine gesundheitliche Gefahr: Bleibt Wasser längere Zeit stehen, können sich darin Mücken vermehren. Deshalb ist es wichtig, Wasseransammlungen möglichst zu beseitigen.
Was bedeutet das für Urlauber?
Regen auf Sal ist nicht automatisch ein Grund zur Sorge. Bei starkem Regen und Wind sollte man jedoch auf herabfallende oder umherfliegende Gegenstände achten, überflutete Straßen meiden und lokale Warnungen beachten.
Wer sich über die aktuelle Wetterentwicklung informieren möchte, findet im Sal-Radar auf Sal Daily regelmäßig aktualisierte Prognosen.
Quellen zum Hintergrund: Weltbank, Climate Change Knowledge Portal; Weltgesundheitsorganisation, Public Health Situation Analysis Cabo Verde (September 2025). Die Quellen beschreiben allgemeine Risiken, nicht die konkrete Unwetternacht.

