Sal ist für die meisten Deutschen zuerst ein Urlaubsziel: lange Sandstrände, Wind für Kite- und Windsurfer, Sonne das ganze Jahr. Manche fahren aber nicht zurück. Sie arbeiten auf der Insel, kaufen eine Wohnung, bauen ein Geschäft auf oder verbringen mehrere Monate im Jahr hier. Wie viele es sind, lässt sich kaum beantworten.
Die Zahl, die es nicht gibt
Der Zensus von 2021 zählt für ganz Cabo Verde 171 Menschen mit ausschließlich deutscher Staatsangehörigkeit. Das klingt nach einer klaren Antwort, ist aber keine. Eine zweite amtliche Zahl zeigt, warum: Nach dem kapverdischen Statistikamt INE lebten 2021 insgesamt 111 Menschen im Land, die in Deutschland geboren wurden. Das entsprach 0,6 Prozent der 18.562 im Ausland geborenen Einwohner. Staatsangehörigkeit und Geburtsland messen also nicht dasselbe. Nicht vollständig erfasst sind:
- Deutsche mit zusätzlicher kapverdischer Staatsangehörigkeit
- Besitzer von Zweitwohnsitzen und Überwinterer
- Menschen, die nicht registriert oder weiter in Deutschland gemeldet sind
Dazu kommt: Die öffentlichen Tabellen verknüpfen die deutsche Staatsangehörigkeit nicht zuverlässig mit dem Wohnort Sal. Jede konkrete Zahl für die Insel wäre deshalb geraten.

Eine aktuelle Auskunft des Auswärtigen Amts liefert nun zumindest einen weiteren Anhaltspunkt. In der Krisenvorsorgeliste ELEFAND ist für Cabo Verde derzeit eine mittlere zweistellige Zahl deutscher Staatsangehöriger registriert. Für Sal nennt das Auswärtige Amt eine niedrige zweistellige Zahl für einen temporären Aufenthalt und eine sehr niedrige einstellige Zahl für einen dauerhaften Aufenthalt.
Auch diese Zahlen zeigen aber nicht, wie viele Deutsche tatsächlich auf Sal leben. Für Deutsche im Ausland besteht keine Meldepflicht. Das Auswärtige Amt weist deshalb selbst darauf hin, dass die ELEFAND-Zahlen lediglich ein Indikator sein können und nicht die tatsächliche Zahl deutscher Staatsangehöriger im Land wiedergeben.
Lokale Netzwerkschätzungen gehen von etwa 30 bis 40 Deutschen aus, die dauerhaft auf Sal leben. In den Wintermonaten könnte die deutschsprachige Gemeinschaft durch Überwinterer, digitale Nomaden und Saisonkräfte auf etwa 100 bis 150 Menschen anwachsen. Amtliche Zahlen sind das ausdrücklich nicht, sondern Größenordnungen, die sich auf lokale Netzwerke stützen.
Sal, das Zentrum für Zuwanderer
Sicher ist: Sal ist einer der wichtigsten Standorte für Ausländer und internationale Arbeitskräfte im Land. Laut kapverdischem Statistikamt entfielen 2022 rund 13,2 Prozent der Haushalte mit ausländischen Bewohnern auf die Insel. Sal ist zudem das Zentrum des Badetourismus: 2023 arbeiteten hier etwa 57,8 Prozent aller Beschäftigten der offiziellen Beherbergungsbetriebe des Landes, deutlich mehr als auf den meisten anderen Inseln.
Wovon Deutsche auf Sal leben
Die Insel prägt die Berufswahl. Viele Deutsche dürften im Tourismus arbeiten, in Hotels, Resorts, bei Reiseunternehmen, in Restaurants oder im Ausflugs- und Wassersportgeschäft. Deutschkenntnisse sind dort gefragt, etwa im Kontakt mit Reiseveranstaltern und Gästen aus dem deutschsprachigen Raum.
Das zweite große Feld ist der Immobiliensektor. In Santa Maria und Umgebung haben ausländische Investitionen Ferienwohnungen, Hotels und Anlagen entstehen lassen. Deutsche treten hier als Käufer, Vermieter, Makler, Verwalter oder Projektpartner auf. Wer eine Wohnung auf Sal besitzt, lebt deshalb aber nicht automatisch hier: Viele Objekte werden nur zeitweise genutzt oder an Urlauber vermietet.
Ein weiterer Teil der Bewohner arbeitet vermutlich unabhängig vom lokalen Arbeitsmarkt: Rentner, Vermieter, Selbständige und Angestellte, die online für Kunden oder Arbeitgeber im Ausland tätig sind. Für diese Gruppe gibt es keine öffentliche Statistik.
Warum gerade Sal?
Die Gründe sind vermutlich so verschieden wie die Menschen. Für viele zählen Klima, Meer und Lebensstil. Dazu kommen gute Flugverbindungen, eine ausgebaute touristische Infrastruktur und ein Umfeld, in dem Europäer leicht Anschluss finden. Andere zieht es wegen eines Jobs, einer Investition oder des Wunsches nach einem Wohnsitz auf Zeit her. Und manchmal ist es schlicht die Liebe zu einem Kapverdianer oder einer Kapverdianerin.
Die amtliche Statistik nennt für Cabo Verde insgesamt Familienzusammenführung und Arbeitssuche als wichtigste Migrationsgründe. Diese Zahlen gelten aber für alle Ausländer, nicht speziell für Deutsche.

Sichtbar, aber nicht gezählt
Die Deutschen auf Sal sind im Tourismus, im Immobiliengeschäft und im Alltag präsent, in den Statistiken kaum. Wie groß die Gemeinschaft wirklich ist, ließe sich nur mit einer Sonderauswertung des kapverdischen Melderegisters oder der Aufenthaltsdaten klären. Eine solche Auswertung ist öffentlich nicht verfügbar.
Klar ist dennoch: Für manche Deutsche ist Sal längst mehr als ein Urlaubsziel. Es ist ihr Arbeitsplatz, ihr Investitionsstandort, ihr Zweitwohnsitz oder ihre Heimat.
Leben Sie als Deutsche oder Deutscher auf Sal?
Dann interessiert uns Ihre Geschichte. Wie sind Sie auf die Insel gekommen? Was hat Sie bewogen zu bleiben, und wie sieht Ihr Alltag auf Sal aus? Schreiben Sie der Redaktion von Sal Daily. Wir freuen uns über persönliche Erfahrungen von Menschen, die Sal zu ihrem Lebensmittelpunkt, Zweitwohnsitz oder Arbeitsort gemacht haben.

