Auf Boa Vista wachsen Melonen, Auberginen und anderes Gemüse für den Markt auf Sal. Doch die bleibt auf den Fähren von Boa Vista nach Sal liegen und verderben, berichten Bauern. Kein Wunder, dass Gemüde und Obst auf Sal so teuer ist.
Vier Säcke, ein Weg zum Hafen – und wieder zurück
Wassermelonen und Auberginen aufladen, zum Hafen fahren, dort keinen Platz an Bord finden und mit der Ladung wieder heimkehren: Für Landwirte wie im Norden Adradino Andrade von Boa Vista ist das keine Seltenheit, so die die Nachrichtenagentur Inforpress im Juli 2026: Allein die Fahrzeugkosten für so eine Fahrt beziffert er auf etwa 45 bis 55 Euro. Dazu kommt die Ware selbst: Melonen und Auberginen, sagte er, verdürben vollständig, wenn sie nicht schnell abtransportiert werden.
Sein Berufskollege Nelito Mendes nennt ein zweites Problem: Auf der Insel gebe es keine Kühlhäuser. Er lagere die Ernte zu Hause im Schatten. Nach etwa zwei Wochen verliere sie an Qualität und lande im Müll oder im Futtertrog. Fällt ein Schiff aus oder hat drei Wochen Verspätung, dann „verdirbt alles“, so Mendes. Wasserprobleme, Schädlinge und Tiere auf den Feldern kämen hinzu, doch am schwersten wiegen für ihn Logistik und Seetransport.
Wenn niemand sagen kann, wann das Schiff fährt
Gut fünf Wochen später klagten Händler Elvis Brito und Landwirt Danilo Tomar über ähnliche Probleme: Wer wissen wolle, ob Ware mitfahren kann, müsse aus dem Norden mehr als 20 Kilometer zur Agentur von CV Interilhas nach Sal Rei fahren – und bekomme oft trotzdem keine klare Antwort. Auf dem Schiff fehle zudem geeignete Ausrüstung wie Container und Ladeplattformen.
Dabei könnten Bauern wie Tomas acht bis neun Tonnen Agrarprodukte pro Woche nach Sal schicken. Theoretisch bleibt die Fracht im Land, verdirbt dort. Auf Sal fehlen sie und ist dort entsprechend teuer.
Ein Problem, viele Ursachen
Natürlich sind die Fährprobleme nur ein Grund für die hohen Preise auf Sal. Die Weltbank beschrieb 2023 Probleme bei Ernte und Aufbereitung, fehlender Kühlung, dem Bündeln kleiner Lieferungen und Hafendienstleistungen. Doch zu unterschätzen ist das Fährproblem nicht. Von Santiago aus erreichen nur 70 Prozent aller Agrarprodukte die Insel Sal. Je nach Schiffstyp auch mal mehr. Das zeigt: Die maroden Fahrverbindungen sind ein strukturelles Problem, was die Preise auf Sal in die Höhe treibt. Die Beispiel vom Sommer 2026 sind kein Einzelfall.
Die Fährgesellschaft kennt die Probleme. Vorstandsmitglied Fernando Braz de Oliveira berichtete schon im Februar, 2025 von technischen und wetterbedingten Widrigkeiten. Damals fielen die Katamarane Kriola und Liberdadi nach schweren Zwischenfällen mehrere Monate aus. Kritik an einer ungeeigneten Flotte wies er zurück. Im Juni dieses Jahres führte das Unternehmen Frachtprobleme unter anderem auf verringerte Kapazitäten anderer Reeder, einen Dockaufenthalt der Dona Tututa und eine ausgefallene Rampe auf Maio zurück.
Was heißt das für die Preise auf Sal?
Wie sehr die Transportprobleme die Preise auf Sal treiben, hat bislang niemand gemessen. Das sie „aufs Geld gehen“ ist . klar, Wer Ware verliert, leere Fahrten bezahlt und unpünktlich liefert, hat höhere Kosten. Auf Sal wird zugleich die Ware knapp, der Kunde merkt es im Geldbeutel.
Dabei leben viele Kapverdianer schon jetzt am Limit. Die Verbraucherschutzvereinigung ADECO bezifferte den monatlichen Grundbedarf einer gesunden Einzelperson auf Sal im Juni auf rund 315 Euro. 165 Euro gehen dabei für Lebensmittel drauf.
Zum Vergleich: Der Mindestlohn lag 2026 bei rund 154 Euro in der Privatwirtschaft und rund 172 Euro im öffentlichen Dienst.
Was Preise auf Sal außerdem beeinflusst
Kaum eigene Landwirtschaft: Sal verfügt nur über sehr begrenzte landwirtschaftliche Produktion und ist deshalb auf Lieferungen anderer Inseln und Importe angewiesen.
Hohe Importabhängigkeit: Nach Angaben der Weltbank decken Importe rund 80 Prozent des inländischen Lebensmittelverbrauchs in Kap Verde.
Tourismus: Sal hat durch Einwohner, Hotels, Restaurants und Besucher einen hohen Lebensmittelbedarf. Im zweiten Quartal 2026 entfielen laut INE 62,1 Prozent der Hotelgäste und 59,5 Prozent der Übernachtungen des Landes auf Sal.
Wichtig: Die Quellen zeigen, warum Transportprobleme Kosten verursachen und das Angebot beeinträchtigen können. Sie zeigen nicht, um wie viele Prozent Fährprobleme Gemüse oder andere Lebensmittel auf Sal verteuern.
Was offenbleibt
- Um wie viel Gemüse auf Sal wegen der Transportprobleme teurer ist, wenn überhaupt, ist nicht belegt.
- Wie viel Ware insgesamt durch Transportprobleme verdirbt, ist nicht bekannt.
- Welchen Anteil die Fährprobleme an den Lebenshaltungskosten haben, ist offen.
- Eine Rangfolge der Ausfallursachen – Wetter, Schäden, Organisation – gibt keine Quelle her.
- Zu den konkreten Vorwürfen aus Boa Vista liegt keine Antwort der Reederei vor.
Quellen
- Inforpress, 19.08.2026: Boa Vista – Händler und Produzent berichten über Verluste und Probleme beim Frachttransport nach Sal.
- Inforpress, 13.07.2026: Fehlender Absatz und fehlende Kühlhäuser lassen landwirtschaftliche Produktion im Norden Boa Vistas verderben.
- Weltbank, Februar 2023: Navegar em Mares Agitados – Memorando Económico do País.
- Lusa/Observador, 09.02.2026: Seeverkehr 2025 und Stellungnahme von CV Interilhas.
- Expresso das Ilhas, 12.06.2026: Stellungnahme von CV Interilhas zu Frachtproblemen.
- ADECO, 15.07.2026: ICE Sal, São Vicente und Praia – Juni 2026.
- Expresso das Ilhas, 05.04.2026: Mindestlohn und Lebenshaltungskosten.
- Expresso das Ilhas/INE, 09.09.2026: Tourismus im zweiten Quartal 2026.

