Mehr Urlauber, aber leerere Betten: Das Sal-Rätsel

Cabo Verde erlebt 2026 einen Tourismusboom. Gleichzeitig sinkt die Bettenauslastung in den Hotels. Auf Sal zeigt sich dieser Widerspruch besonders deutlich. Eine Spurensuche.

Cabo Verde erlebt 2026 einen Tourismusboom. Gleichzeitig sinkt die Bettenauslastung in den Hotels. Auf Sal zeigt sich dieser Widerspruch besonders deutlich. Eine Spurensuche.

Anfang September veröffentlichte das kapverdische Statistikamt INE Zahlen, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Im zweiten Quartal 2026 empfingen die Hotels und anderen Beherbergungsbetriebe des Landes 276.598 Gäste, 9,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig sank die Zahl der Übernachtungen um 0,6 Prozent. Die Bettenauslastung fiel von 60 auf 52 Prozent.

Mehr Ankünfte, weniger Nächte, eine niedrigere Auslastung. Für ein Land, dessen Wirtschaft stark vom Tourismus abhängt, ist das keine Randnotiz. Hotels leben von Übernachtungen, nicht von Ankünften.

Die Urlauber bleiben kürzer

Die unmittelbare Erklärung ist einfach: Die Gäste reisen früher wieder ab. Im zweiten Quartal blieben sie durchschnittlich 4,5 Nächte, im Vorjahreszeitraum waren es noch 4,9.

Und das ist kein Ausrutscher. Schon im ersten Quartal zeigte sich ein ähnliches Bild: 379.657 Gäste kamen nach Cabo Verde, 16,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Übernachtungen stieg zwar ebenfalls, aber deutlich schwächer, um 4,1 Prozent. Gleichzeitig sank die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von fünf auf 4,5 Nächte.

Auch der Blick zurück zeigt die Entwicklung. 2023 blieben Gäste im Durchschnitt fünf Nächte, 2024 waren es 4,6. Im vergangenen Jahr stieg der Wert noch einmal leicht auf 4,8 Nächte. In beiden bislang ausgewerteten Quartalen 2026 waren es nur noch 4,5.

Sal fällt besonders auf

Was auf Sal passiert, hat für die Statistik des ganzen Landes enormes Gewicht. Im ersten Quartal 2026 entfielen 59,3 Prozent aller Gäste Cabo Verdes auf die Insel, im zweiten Quartal sogar 62,1 Prozent.

Bei den Übernachtungen waren es im zweiten Quartal allerdings nur 59,5 Prozent.

Auf Boa Vista ist es genau umgekehrt. Die Insel kam lediglich auf 18,1 Prozent der Gäste, aber auf 29,5 Prozent der Übernachtungen. Ein Gast auf Boa Vista blieb damit im zweiten Quartal durchschnittlich erheblich länger als ein Gast auf Sal.

Sal bringt Cabo Verde also besonders viele Gäste – aber vergleichsweise weniger Übernachtungen.

Restaurantgebäude einer Hotelanlage in Santa Maria auf Sal
Hotelrestaurant in Santa Maria. Foto: Cayambe / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Sind die Pauschalreisen kürzer geworden?

Das wäre eine naheliegende Erklärung. Sal ist wie kaum eine andere Insel Cabo Verdes vom klassischen Pauschaltourismus geprägt. Vielleicht wird aus der Woche All-inclusive inzwischen einfach ein Kurzurlaub?

Ein Blick auf aktuelle Angebote spricht zumindest nicht dafür. Bei großen Veranstaltern finden sich weiterhin zahlreiche Sal-Reisen mit sieben Übernachtungen. Daneben werden allerdings auch kürzere Aufenthalte angeboten.

Ob die Urlauber heute tatsächlich häufiger kürzere Pakete buchen als früher, lässt sich daraus nicht ablesen. Die aktuellen Angebote liefern jedenfalls keinen Beleg dafür, dass die klassische Urlaubswoche auf Sal verschwunden wäre.

Kommen heute andere Urlauber?

Tatsächlich hat sich die Zusammensetzung der Gäste verändert. Besonders auffällig ist Großbritannien, traditionell der wichtigste Herkunftsmarkt Cabo Verdes. Im zweiten Quartal 2025 kamen noch 35,7 Prozent der ausländischen Gäste aus Großbritannien. Ein Jahr später waren es nur noch 26,5 Prozent.

Portugal entwickelte sich in die andere Richtung: Der Anteil stieg von 15 auf 18,5 Prozent.

Damit hat sich der Gästemix innerhalb nur eines Jahres sichtbar verschoben. Ob diese Verschiebung allerdings die kürzere durchschnittliche Aufenthaltsdauer erklärt, lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen nicht eindeutig ableiten.

Ein Rätsel bleibt

Mehr individuell gebuchte Reisen? Mehr Inselhopping? Andere Flugverbindungen? Veränderte Reisegewohnheiten?

All das sind denkbare Erklärungen. Die bislang veröffentlichten Zahlen liefern dafür aber keine ausreichenden Belege.

Damit bleibt ein ungewöhnlicher Befund: Cabo Verde zählt immer mehr Touristen. Sal wächst besonders stark. Gleichzeitig bleiben die Gäste kürzer, und im zweiten Quartal sank die Bettenauslastung deutlich.

Warum das geschieht, verraten die Quartalszahlen nicht.

Vielleicht ist genau das die interessanteste Geschichte hinter dem Tourismusboom: Ein Statistikamt kann ziemlich genau zählen, wie viele Menschen kommen und wie lange sie bleiben. Warum sie früher wieder abreisen, bleibt vorerst offen.


Quellen

Diese Woche auf Sal
Die wichtigsten Themen der Woche direkt per Newsletter.
Newsletter abonnieren
Sal Daily auf Facebook folgen
Neue Geschichten, aktuelle Hinweise und Diskussionen rund um Sal direkt mitbekommen.
Jetzt auf Facebook folgen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert